Langnau Jazz Nights 2009BR>

Schlussbilanz 2009: Reise nach New York überflüssig


Joe Bowie setzte mit seiner Posaune und seiner Band Defunkt Soul an der traditionellen Schlussparty der Langnau Jazz Nights 2009 ein fulminantes Ausrufezeichen! (Bild Werner Eichenberger)

Am Samstagabend ging an den 19. Langnau Jazz Nights nochmals so richtig die Post ab: Joe Bowie's Defunkt Soul setzten an der traditionellen Schlussparty ein lautstarkes und in die Beine fahrendes Ausrufezeichen - und markierten den Abschluss eines wiederum rundum gelungenen Festivals.

Nach einem wunderbaren Set der Band von Trompeter Michael Rodriguez mit Luis Perdomo, Piano, Hans Glawischnig, Bass, und Julio Barreto, Drums, wurden in der Kupferschmiede Langnau die Stühle weggeräumt. Denn wie jedes Jahr bildete eine Dance-Party den Abschluss, diesmal mit Joe Bowie's Defunkt Soul. Alles in allem vierzehn Konzerte gingen während der fünf Tage über die Bühne, jedes anders und überraschend, spannend und neu, teils intensiv und eindringlich, teils relaxed und locker!



Langnau: Jazz-Mekka der Schweiz
Nebst Stars aus der Schweiz und aus Europa setzten vor allem Musiker aus der New Yorker Szene Akzente, brachten aktuellen Jazz ins Emmental und waren zum Teil als Lehrer an den Workshops tätig.
Das Line-up enthielt unter anderen diese Namen: David Sanchez, Luis Perdomo, Miguel Zenón, Michael Rodriguez, Jeff "Tain" Watts, Marc Perrenoud, Hadrien Feraud oder Brad Shepik. Die Konzerte in der Kupferschmiede zeigten einmal mehr die Spannweite des aktuellen Jazz auf - Langnau war effektiv während einer Woche das Jazz-Mekka der Schweiz. Wer heuer hier war, muss demnächst nicht nach Amerika fliegen, um sich ins Bild zu setzen, was im Jazz läuft! "Durchs Band weg super Konzerte auf allerhöchstem Niveau", lautet die Bilanz von Wale Schmocker, Initiant, künstlerischer Leiter und Motor der Langnau Jazz Nights.


Super Job der Teacher
So brachte es ein Teilnehmer am Jazz Workshop auf den Punkt. Rund 80 Musikerinnen und Musiker, je zur Hälfte Erwachsene und Jugendliche, machten an den Workshops mit. Zu den Unterrichtenden gehörten neben Schweizer Top-Musikern internationale Stars wie Miguel Zenón, Luis Perdomo, Hans Glawischnig, Henry Cole oder Michael Rodriguez. Sie vermittelten mit grossem Engagement und viel pädagogischem Geschick den Teilnehmenden die Geheimnisse des Jazz.
Die täglichen Konzerte der Workshopbands auf der Open-Air-Bühne im Dorfzentrum bewiesen jeden Abend die hohe Qualität der Arbeit.


Zur Zeit kein Nachwuchsproblem
Der zum dritten Mal vom Verein Swiss Jazz School SJS Bern ausgeschriebene Wettbewerb war ein weiterer Höhepunkt, das Niveau der Kandidaten aussergewöhnlich. Wie Stewy von Wattenwyl, stellvertretender Schulleiter der SJS, festhielt, war die Auswahl auch diesmal nicht einfach. Die vier Gewinner des Stipendiums der SJS (zwei respektive ein Semester des regulären Kurses an der Allgemeinen Abteilung der SJS in Bern) sind: Michael Wyss, Tenorsaxophon, Jahrgang 1992, Burgdorf, und Selim Kasaz, Altsaxophon, 1994, Worb (je 2 Semester); Philipp Leibundgut, Drums, 1991, Burgdorf, und Dimitri Howald, Gitarre, 1993, Stettlen (je 1 Semester).

Die Klasse der am Junior Jazz Meeting auftretenden Bands war ebenfalls erstaunlich: Der Jazz scheint momentan kein Nachwuchsproblem zu haben!

 

Bewährte Neuerungen
Einiges war neu an den LJN 2009 - und die Neuerungen haben sich mehrheitlich bewährt und als Erfolg erwiesen. Das neue Zeltdorf machte aus dem Langnauer Viehmarktplatz ein eigentliches Jazz-Village. Hier trafen sich täglich unzählige Fans und Besucher und sorgten für eine tolle Stimmung. Ihre Standfestigkeit bewiesen die Zelte übrigens auch während des grossen Hagelgewitters vom Donnerstag: Keine Schäden, alles sicher - und alles am Trockenen! Die Musiker-Taxis und die übrigen Autos hingegen wurden vom Hagel arg in Mitleidenschaft gezogen.

 

Die Late Night Konzerte in der Kupferschmiede zogen ein zahlreiches Publikum an… und liessen die LJN zu wirklich langen Nächten werden. Die anschliessenden Jam-Sessions endeten jeweils erst im Morgengrauen! Wale Schmocker dazu: "Das werden wir noch besprechen müssen."
Zum Abschluss der Festival-Woche brachte die erste Langnauer Jazz-Parade mit dem Fischermann's Orchestra und den Workshop-Teilnehmenden ein Stück New Orleanser Marching-Band-Groove ins Emmental.



Das andere Jazzfestival
Unter diesem Titel informierten die LJN im Vorfeld - und Jazz Nächte 2009 in Langnau wurden dieser Ankündigung voll und ganz gerecht: Die Ausgabe 2009 wird als ein tolles Festival in die Geschichte eingehen, auch wenn die Besucherzahlen gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig waren.
Nach den Jazz Nights ist vor den Jazz Nights - darum bereits ein Blick in die Zukunft: Nächstes Jahr gehen die LJN vom 27. bis 31. Juli 2010 zum 20. Mal über die Bühne. Wale Schmocker verspricht: "Das gibt ein Riesenfest!"